Tourismus

Gamification im Skigebiet: Pisten sammeln statt Lifte zählen

Porträt Philipp Avenell Von Philipp Avenell · · 5 Min. Lesezeit

Frisch präparierte, breite Pisten zwischen verschneiten Lärchen, eine Person in Rot zieht die erste Spur

Skigebiete messen viel: Ersteintritte, Liftfahrten, Höhenmeter. Doch das Zutrittssystem kennt den Lift, nicht die Piste. Genau dort liegt eine der einfachsten Formen von Gamification im Skigebiet: Pisten sammeln. Ein Saisonziel, das Stammgäste öfter zurückbringt, weniger bekannte Sektoren belebt und euch zeigt, wer eure treuesten Gäste sind. Ohne eigene App und ohne neue Infrastruktur am Berg.

Warum Gamification im Skigebiet oft beim Tagesrückblick stehen bleibt

Viele Skigebiete bieten heute einen digitalen Tagesrückblick: gefahrene Höhenmeter, Anzahl Liftfahrten, manchmal Fotos oder Geschwindigkeitsmessungen. Das ist ein schönes Erlebnis am Abend nach dem Skitag. Für die Saison bleibt davon wenig übrig, weil der Rückblick kein Ziel setzt. Wer heute 8'000 Höhenmeter gefahren ist, hat morgen keinen Grund, wiederzukommen, ausser dem Schnee.

Gleichzeitig ist die Saison kurz und wetterabhängig. Gemäss Seilbahnen Schweiz lagen die Ersteintritte im Winter 2025/26 rund 2 Prozent unter dem Rekordwinter davor, aber 13 Prozent über dem Fünfjahresschnitt. Der Start war wegen fehlendem Schnee bis Mitte Dezember schwach, das Frühjahr dafür stark. Jeder zusätzliche Skitag eurer Stammgäste zählt also doppelt.

Die Lücke: Das Drehkreuz kennt den Lift, nie die Piste

Ein Lift bedient meist mehrere Abfahrten. Welche davon gewählt wurde, kann das Zutrittssystem nicht wissen, weil es nur am Drehkreuz misst. Für Gamification ist das entscheidend, denn Pisten haben, was Lifte nicht haben: einen Namen, eine Farbe und einen Ruf. Die schwarze Piste, die Talabfahrt, die Weltcupstrecke. Darüber erzählen Gäste, nicht über den Sessellift.

Pisten-genau erfassen lässt sich nur mit GPS. Das klingt nach Aufwand, ist es für viele Gäste aber nicht: Wer seine Skitage ohnehin mit einer Sportuhr oder dem Smartphone aufzeichnet, muss nichts Neues lernen.

Pisten sammeln: das einfachste Saisonziel

Das Prinzip ist schnell erklärt:

  • Jede Piste ist ein Checkpoint. Wer sie fährt, sammelt sie. Einmal reicht.
  • Sektoren komplett fahren. Wer alle Pisten eines Sektors gesammelt hat, erhält ein Abzeichen. Das lenkt Gäste ganz nebenbei in Ecken des Skigebiets, die sie sonst auslassen.
  • Levels über die Saison. Zum Beispiel 10, 25 und alle Pisten, mit Belohnungen, die im Skigebiet eingelöst werden: Kaffee im Bergrestaurant, Rabatt im Sportgeschäft, ein Tagespass für eine Begleitperson.
  • Wall of Fame. Wer alle Pisten geschafft hat, steht auf der Liste. Für ambitionierte Stammgäste ist das ein starker Grund, an einem zusätzlichen Tag hochzufahren.

Der Unterschied zum Tagesrückblick: Das Format setzt ein Ziel über die ganze Saison. Jede neue Piste ist ein Fortschritt, jedes Level ein Anlass für eine persönliche Nachricht, und jede leere Stelle auf der Sammelkarte ein Grund für den nächsten Besuch.

Variante für Ikonen: Wer fährt am häufigsten?

Manche Skigebiete haben eine Piste mit Geschichte, etwa eine Weltcup- oder Rennstrecke. Für sie eignet sich eine zweite Mechanik, der Effort Counter: Gewertet wird nicht, wer am schnellsten fährt, sondern wer die Piste am häufigsten fährt. Das ist auf einer offenen Piste auch aus Sicherheitsgründen die bessere Wahl, denn eine Zeitwertung im laufenden Pistenbetrieb ist keine gute Idee. Level bei 1, 5 und 10 Abfahrten, ein verstecktes Abzeichen für die Rekordzahl und eine Rangliste machen aus der Piste eine Legende, die man sich verdienen muss.

Arbeitsteilung statt zweite Ski-App

Viele Skigebiete arbeiten bereits mit einer App für den Tagesrückblick. Ein Sammelformat ersetzt diese nicht, sondern ergänzt sie:

Tagesrückblick über das Zutrittssystem Sammelformat mit LaceUp
Erfasst Liftfahrten, Höhenmeter, Eintritte Pisten, Sektoren, Wiederholungen
Zeithorizont ein Skitag die ganze Saison
Motivation Rückblick Ziel
Kontakt je nach Lösung beim Anbieter oder bei euch bei euch, mit Einwilligung
Teilnahme über die jeweilige App über Sportuhr, Smartphone-Aufzeichnung oder QR-Code an markanten Punkten, ohne App-Download

Ein weiterer Vorteil: Das Format endet nicht an der Unternehmensgrenze. Mehrere Bergbahnen einer Region können gemeinsam ein Sammelformat anbieten, auch wenn ihre Zutrittssysteme getrennt sind. Und im Sommer lässt sich dieselbe Teilnehmerbasis mit Gipfeln, Hütten oder Bike-Trails weiter aktivieren.

Was ein Sammelformat nicht ist

Zur Ehrlichkeit gehört auch, was ein Sammelformat nicht leisten soll. Es ist keine Datenquelle für das Pistenmanagement. Die GPS-Daten stammen von Teilnehmenden, die sich bewusst angemeldet haben. Das ist eine wertvolle Gruppe, aber keine repräsentative Zählung aller Gäste. Für Beschneiung oder Präparierung bleiben eure bestehenden Systeme die richtige Grundlage.

Und im Winter ist die Erfassung anspruchsvoller als im Sommer. Kalte Finger und Handschuhe machen QR-Scans umständlich. Deshalb setzen wir QR-Codes nur an wenigen markanten Punkten ein, etwa an der Bergstation, und überlassen die Pisten der GPS-Aufzeichnung.

Häufige Fragen

Ist GPS im Skigebiet genau genug, um Pisten zu unterscheiden? Pisten werden als Zonen definiert, die Toleranz lässt sich pro Format einstellen. Wo zwei Pisten sehr nah nebeneinander verlaufen, wählt man einen markanten Abschnitt als Checkpoint. Zusätzlich prüft ein mit der ETH Zürich entwickelter Algorithmus die Aufzeichnungen auf Unregelmässigkeiten.

Brauchen Gäste eine Sportuhr? Nein. Die Aufzeichnung mit dem Smartphone reicht. Wer gar nichts aufzeichnen will, kann an markanten Punkten per QR-Code oder Browser-Link einchecken.

Konkurriert das mit unserer bestehenden Ski-App? Nein. Der Tagesrückblick bleibt, wo er ist. Das Sammelformat setzt ein Saisonziel und läuft in eurem Auftritt. Beides lässt sich parallel kommunizieren.

Wann muss man starten, um in der nächsten Saison dabei zu sein? Mit rund sechs Wochen Vorlauf ist ein Format startklar. Wer zum Saisonstart im Dezember lancieren will, entscheidet bis Ende Oktober. Ein Format für die zweite Saisonhälfte, etwa ab den Sportferien bis Ostern, lässt sich auch im laufenden Winter noch aufsetzen.

Fazit

Gamification im Skigebiet muss nicht kompliziert sein. Pisten haben Namen, Farben und Geschichten, und sie zu sammeln ist ein Ziel, das jede und jeder sofort versteht. Ein Sammelformat bringt Stammgäste öfter zurück, belebt ruhigere Sektoren und schafft einen direkten Draht zu euren treuesten Gästen, über die ganze Saison und in eurem eigenen Auftritt.

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