Besucherlenkung im Tourismus: Mit Anreizen statt Verboten Gäste verteilen
Besucherlenkung steht auf der Agenda fast jeder Destination. An bekannten Aussichtspunkten, Seen und Altstädten stossen Infrastruktur und Akzeptanz an Grenzen, während Seitentäler und kleinere Orte kaum profitieren. Die meisten Massnahmen arbeiten mit Information oder Beschränkung. Ein dritter Hebel wird selten genutzt: Anreize. Dieser Beitrag zeigt, wie Sammelformate Gäste räumlich und zeitlich verteilen, ohne Verbote und ohne erhobenen Zeigefinger.
Warum Besucherlenkung so schwierig ist
Die Schweizer Hotellerie hat 2025 mit rund 43,9 Millionen Logiernächten einen Rekord erzielt, im Sommer wurden erstmals über 25 Millionen gezählt. Das Wachstum ist aber ungleich verteilt. Eine Analyse der NZZ am Sonntag zeigte im Sommer 2026: Die 50 grössten Destinationen legten gegenüber 2023 um rund 1,7 Millionen Logiernächte zu, ein Plus von über 6 Prozent. Die rund 130 kleineren Destinationen wuchsen im gleichen Zeitraum um weniger als 2 Prozent. Auch die Verteilung über das Jahr hat sich laut der Analyse kaum verändert. Schweiz Tourismus hält es für zu früh für ein abschliessendes Urteil, weil sich Reisegewohnheiten nur langsam ändern.
Das zeigt, wie hartnäckig Besucherströme sind. Gäste gehen dorthin, wo andere schon waren, und wohin Bilder in sozialen Medien sie führen. Wer sie umlenken will, muss ihnen einen guten Grund geben, anderswo hinzugehen.
Drei Hebel der Besucherlenkung
| Hebel | Beispiele | Wirkung |
|---|---|---|
| Beschränkung | Kontingente, Reservationen, Parkgebühren, Sperrungen | wirksam, aber unbeliebt und politisch heikel |
| Information | Echtzeit-Auslastung, Alternativen auf der Website, Beschilderung | wichtig, erreicht aber nur, wer aktiv sucht |
| Anreiz | Bonuspunkte, Belohnungen, zeitlich freigeschaltete Ziele | positiv erlebt, im Tourismus noch selten genutzt |
Alle drei Hebel haben ihre Berechtigung. Beschränkung und Information sagen Gästen, wo sie nicht hin sollen oder wo es gerade ruhig ist. Ein Anreiz macht den ruhigeren Ort zum eigentlichen Ziel.
Fünf Wege, wie Sammelformate Gäste lenken
1. Die Auswahl der Checkpoints
Was auf der Sammelkarte steht, wird besucht. Das klingt banal, ist aber der stärkste Hebel. Bei der Wander-Challenge 26 Summits etwa war 2024 die beliebteste Route nicht einer der bekannten Hotspots in den Alpen, sondern der Geissfluegrat im Aargau, mit 726 Besteigungen. Gut erreichbare, weniger bekannte Orte können über ein Sammelformat zu echten Zielen werden.
2. Bonuspunkte für ruhige Orte und Zeiten
Ein Checkpoint im Seitental zählt doppelt, ein Besuch unter der Woche gibt einen Bonus, wer im Oktober kommt, erhält ein zusätzliches Abzeichen. So bleibt die Wahl frei, aber die ruhigere Option wird attraktiver.
3. Zeitfenster, die Checkpoints nach und nach freischalten
Statt alle Ziele ab dem ersten Tag zu öffnen, werden sie gestaffelt freigeschaltet. Bei der Züri Velo Cup Winter Quest etwa waren neun Gemeinden rund um Zürich zu sammeln, drei davon wurden jeden Monat neu freigeschaltet, vom 21. Dezember bis 21. März. So verteilt sich die Teilnahme über die ganze Saison statt auf die ersten Wochenenden.
4. Eine Saison statt eines Tages
Ein einzelner Eventtag bündelt Tausende Menschen an einem Datum. Eine Saison verteilt sie. Beim Alpenbrevet Extended fahren rund 2'000 Teilnehmende die sieben Pässe um Andermatt zwischen Mai und Oktober, wann sie wollen. Das ist Besucherlenkung über die Zeit, und sie verlängert die Saison in die ruhigeren Monate.
5. Belohnungen am richtigen Ort
Wo die Belohnung abgeholt wird, entscheidet mit, wohin Gäste gehen. Eine Urkunde in der Tourist Information eines kleineren Orts, ein Gutschein bei einem Gasthaus im Seitental oder ein Bonus-Checkpoint in einer Partnerregion, wie der Bonusgipfel in Graubünden bei der 7 Hills Challenge, lenken Besuche dorthin, wo sie willkommen sind.
Was ihr messen könnt, und was nicht
Ein Sammelformat zeigt euch, wie sich die Teilnehmenden über Orte und Monate verteilen, und ob Bonuspunkte oder Zeitfenster diese Verteilung verändern. Ihr könnt also testen, welcher Anreiz wirkt, und das Format in der nächsten Saison anpassen.
Was es nicht zeigt, ist die Verteilung aller Gäste. Gemessen werden die Teilnehmenden, nicht jede Person auf dem Wanderweg. Für die Gesamtsicht bleiben Zählgeräte, Logiernächte und Mobilitätsdaten die richtige Grundlage. Ein Sammelformat ergänzt sie um eine Gruppe, die ihr erreichen und gezielt lenken könnt.
Für Städte, Kantone und Gemeinden
Besucherlenkung ist nicht nur ein Thema für Bergdestinationen. Städte möchten Gäste aus der Altstadt in andere Quartiere bringen, Kantone wollen Bewegung fördern und gleichzeitig Naherholungsgebiete entlasten, Gemeinden möchten ihre eigenen Ausflugsziele sichtbar machen. Ein Sammelformat verbindet diese Ziele: Quartiere, Aussichtstürme, Brunnen oder Waldlichtungen werden zu Checkpoints, die Teilnahme ist auch ohne App möglich, und Schulen, Familien und Vereine können mitmachen. Wie die Erfassung für ein breites Publikum funktioniert, steht in unserem Beitrag Challenge ohne App.
Häufige Fragen
Ersetzt ein Sammelformat klassische Massnahmen der Besucherlenkung? Nein. Es ergänzt Information und Beschränkung um einen positiven Anreiz. Am besten wirkt es in Kombination: Echtzeit-Information für den Moment, ein Sammelformat für die Planung der nächsten Ausflüge.
Wie gross muss die Wirkung sein, damit es sich lohnt? Das hängt vom Ziel ab. Schon eine Verschiebung innerhalb der Teilnehmenden zeigt, welche Anreize funktionieren. Diese Erkenntnis lässt sich auf andere Kommunikationsmassnahmen übertragen.
Braucht es für jeden Checkpoint ein Schild? Nein. Checkpoints können per GPS-Aufzeichnung oder Browser-Check-in bestätigt werden. Schilder mit QR-Code sind eine Option, keine Voraussetzung.
Ab wie vielen Teilnehmenden lohnt sich ein Format? Es gibt keine Mindestzahl und keine Gebühren pro Teilnehmenden. Ein Pilot mit bis zu fünf Checkpoints kostet CHF 5'000 pro Saison.
Fazit
Besucherlenkung muss nicht nur mit Verboten und Hinweisen arbeiten. Ein Sammelformat macht ruhige Orte zu Zielen, verteilt Besuche über die Saison und zeigt, welcher Anreiz wirkt. Für Gäste fühlt sich das nicht nach Lenkung an, sondern nach Entdeckung.
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Wir setzen einen Checkpoint genau dort, wo du gerade stehst, und fünf weitere in Dörfern rund um dich. So erleben Teilnehmende eine Trophy: ohne App, nur mit dem Handy.
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